Anna-Lülja Praun (1906 – 2004)

Foto: Privatbesitz Manuel Singer

ARCHITEKTIN UND DESIGNERIN

Anna-Lülja Simidoff wurde in Sankt Petersburg als Tochter einer russischen Ärztin und eines bulgarischen Juristen und Verlegers geboren, sie wuchs mehrsprachig, in einem liberalen und kosmopolitisch geprägten Umfeld in Sofia auf. Aufgrund der guten Kontakte, die Österreich in den 1920er-Jahren mit Bulgarien pflegte, entschloss sie sich 1924, nach Graz zu gehen, um an der Technischen Hochschule Architektur zu studieren. Damit zählte sie gemeinsam mit Margarete Schütte-Lihotzky zu den ersten Frauen in Österreich, die Architektur studierten.

Noch während ihres Studiums arbeitete sie im Atelier des steirischen Architekten Herbert Eichholzer, ab 1937 bei Clemens Holzmeister in Wien. Mit Eichholzer, der politisch links und Anhänger der internationalen Avantgarde war, verband sie nicht nur eine Arbeits-, sondern bis 1937 auch eine Lebensgemeinschaft. Er wurde 1943 als Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten ermordet. Auch Simidoff wurde 1938 unter dem NS-Regime verhaftet, kam aber wieder frei. Die ersten Kriegsjahre verbrachte sie in Frankreich und Bulgarien. 1942 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie den Architekten Richard Praun heiratete, im selben Jahr wurde auch ihre Tochter Svila geboren. In den folgenden Jahren arbeitete sie gemeinsam mit ihrem Mann.

Nach der Trennung von ihm eröffnete sie 1952 ihr eigenes Atelier in Wien. Sie entwarf Häuser, Einrichtungen, Geschäfte, Möbel, Beleuchtungskörper und gemeinsam mit Gudrun Baudisch Keramik. Von 1953 bis 1959 führte sie zusammen mit Leo Calice-Kalmar das 1925 von Josef Frank und Oskar Wlach gegründete Einrichtungshaus „Haus und Garten“. Ihre Entwürfe zeichnen sich durch Materialgerechtigkeit, höchste Qualität in der Ausführung und eine stringente Gestaltung aus. Oliver Elser schrieb 2004 in seinem Nachruf „Anna-Lülja Praun hat niemals Möbel für die Massenproduktion entworfen.“ 1981 wurde sie mit dem Preis der Stadt Wien für angewandte Kunst geehrt.

 

Ich habe mich nicht gefragt, ob es für eine Frau möglich ist oder nicht. Ich wollte etwas machen – und kein Mensch hat mich gehindert.

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