Katharina Pratobevera (1818–1897)

Künstler/-in: Unbekannt, Öl auf Malkarton, 1846, Kulturamt Graz

ÜBERLEBENSRATGEBERIN FÜR DIE KÜCHE

Die „schriftstellernde Kochkünstlerin“ lag im Trend des 19. Jahrhunderts, wo Frauen im Verfassen von Kochbuchbestsellern tonangebend waren. Davor waren es mit wenigen Ausnahmen Männer, die dieses Metier prägten. Katharina Polt wurde als Tochter eines Privatiers in Graz geboren, wo sie, wie damals für „höhere Töchter“ üblich, neben Hauswirtschaft auch Französisch und Klavierspielen lernte. Mit 40 Jahren heiratete sie ihren ersten Ehemann Eduard Pratobevera, von dessen Familiennamen sie später ihr Pseudonym „Prato“ ableitete. Da ihr Ehemann magenleidend war, begann sie, für ihn Speisen zu erfinden und deren Rezepte aufzuschreiben. Eduard Pratobevera verstarb nach nur einem Jahr Ehe und so heiratete Katharina 1861 Josef von Scheiger, Postdirektor von Steiermark und Kärnten, den sie auf seinen Dienstreisen begleitete und so auch ihre Leidenschaft für das Sammeln von Kochrezepten daheim und auf Reisen entdeckte, die sie erstmals 1858 als Kochbuch veröffentlichte.

Sie erkannte, dass gerade im Mittelstand viele Hausfrauen selbst kochen mussten, anstatt diese Arbeit wie in den oberen Gesellschaftsschichten einer Köchin überlassen zu können. Deshalb war es ihr ein Anliegen, dass ihr Kochbuch auch für Anfängerinnen eine praxisorientierte Anleitung sein sollte. So wurde „Die Prato“ durch ihre Formulierung „Man nehme“ – bis heute der Inbegriff einer Kochanleitung – international bekannt. Ihr Kochbuch erschien bis 1857 unter den Titeln Die süddeutsche Küche oder Die große Prato in 80 Auflagen und wurde über 500.000-mal gedruckt, in mehr als 16 Sprachen übersetzt und immer wieder bei Kochkunstausstellungen ausgezeichnet. Nach ihrem Tod wurde das Kochbuch in verkürzter Form als Die kleine Prato weiter herausgegeben.

1873 verfasste Katharina Prato das erste in der Habsburgermonarchie erschienene und alle häuslichen Arbeitsgebiete umfassende Fachbuch Die Haushaltungskunde. Ein Leitfaden für Frauen und Mädchen aller Stände. Weniger bekannt ist ihr soziales Engagement: So gründete sie den Grazer Verein „Volksküche“, eine Mädchenarbeitsschule und mehrere Kindergärten und war auch für den Verein „Frauenheim“ tätig.

Mein Hauptzweck war, diese Arbeit als „Leitfaden für Anfängerinnen“ vorzüglich für angehende Hausfrauen brauchbar zu machen. Aus diesem Grunde habe ich die Speisevorschriften nur für eine kleine Personenzahl eingerichtet und mein Augenmerk hauptsächlich den Bedürfnissen des Mittelstandes zugewendet.

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