Susanne Wenger, auch Adunni Olurisa (1915–2009)

Fotograf: Wolfgang Denk, 1987

KÜNSTLERIN ZWISCHEN DEN KULTUREN

Susanne Wenger, Tochter schweiz-österreichischer Eltern, besuchte in Graz die Kunstgewerbeschule und die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, anschließend studierte sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien Malerei unter anderem bei Arnold Boeckl. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten versteckte sie ihren jüdischen Lebensgefährten und verkehrte in widerständigen Kreisen. Bis zum Ende der NS-Zeit wurde sie als Künstlerin in die innere Emigration gedrängt.

Ab 1946 war Wenger Mitarbeiterin der kommunistischen Kinderzeitschrift Unsere Zeitung und publizierte in der von Otto Basil herausgegebenen Kunstzeitschrift Plan. Im Jahre 1947 war sie Mitbegründerin des Wiener Art-Clubs, einem Treffpunkt für Vertreterinnen und Vertreter moderner Kunst. Nach Aufenthalten in Italien und der Schweiz ging sie 1949 nach Paris, wo sie ihren späteren Ehemann, den Sprachwissenschaftler Ulli Beier, kennenlernte. 1950 wanderte das Paar nach Nigeria aus, wo Wenger schwer an Tuberkulose erkrankte.

Kein Arzt konnte ihr helfen, nur ein traditioneller Heiler des Yoruba-Volkes. Wenger wandte sich daraufhin der Yoruba-Religion zu, machte Nigeria zu ihrer Wahlheimat und wurde später Yoruba-Priesterin. Sie war Gründerin der archaisch-modernen Kunstschule „New Sacred Art“ und Hüterin des Heiligen Hains der Göttin Osun an den Ufern des Flusses Osun in Oshogbo (Nigeria). Die dort Ende der 1950er Jahre von ihr zusammen mit lokalen Künstler/-innen geschaffenen Skulpturen gehören seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Susanne Wenger verstarb 2009 im Alter von 94 Jahren in Oshogbo. Seit 2011 bemüht sich die Susanne Wenger Foundation in Krems, das Erbe der Künstlerin, das aus ihrer Kunst und ihrer Lebensphilosophie besteht, am Leben zu erhalten.

Kunst ist Ritual, oder es ist keine Kunst.

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