Theodora Acham (geb. 1958)

Foto: Privatbesitz Theodora Acham
DIE ERSTE GRAZER STRASSENBAHNFAHRERIN

Straßenbahnfahrerinnen sind heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr, Ende der 1980er-Jahre sah dies noch anders aus. Bis Anfang der 1970er-Jahre exis-tierte in Österreich sogar ein Gesetz, das Frauen den „Dienst an der Kurbel“ wegen vermeintlicher Gesundheitsgefährdung verbot. Als Theodora Acham im April 1988 ihre Karriere bei den Grazer Linien begann, war sie mit ihrer Kollegin Ingeborg Steiner die erste weibliche Straßenbahnfahrerin in Graz.

Nachdem sie mehrere Jahre als Einzelhandelskauffrau gearbeitet hatte, wünschte sie sich eine berufliche Veränderung – die Stellenanzeige, in der eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin ausgeschrieben wurde, kam da wie gerufen. Schon kurz darauf bangte der damalige Betriebsrat der Grazer Linien in einem Brief an die Belegschaft darum, die Frauen als „Arbeitnehmer zweiter Klasse“ würden die „wohlerworbenen Rechte“ der Männer in Gefahr bringen. Doch entgegen des Widerstands des Betriebsrats wurde Theodora Acham zusammen mit ihrer Kollegin eingestellt, nachdem sie sich gegen die hohe Anzahl an Bewerberinnen durchgesetzt hatten, und sie bezogen schon bald darauf das erste Mal den Führerstand einer 600er-Garnitur.

Dem vorangegangen war die anspruchsvolle Ausbildung, in der Acham sich mit vollkommen neuen Inhalten auseinandersetzen musste: So umfasste die Schaffnerprüfung neben dem Wissen über Fahrzeugtypen und technische Belange auch rechtliche Richtlinien. Nach bestandener Prüfung erhielt sie sofort das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen – etwas Ungewöhnliches zu einer Zeit, in der Frauen trotz gleicher Arbeit in den seltensten Fällen gleich entlohnt wurden wie Männer. Auch das Arbeitsklima erinnert sie als sehr herzlich und von Hilfsbereitschaft geprägt.

Die „Bim-Oma“, wie Theodora Acham von ihren Enkeln wie auch befreundeten Kolleg/-innen genannt wurde, ging 2013 durchaus wehmütig in die Pension. Doch nutzte sie diese Veränderung auch, um wieder etwas Neues für sich zu entdecken: die Jagd und Beobachtung von Wildtieren sowie das Leben auf dem Land. So verbrachte sie den Sommer 2016 erstmals auf einer Alm, um dort 120 Rinder zu hüten.

Man kann sich im Leben immer verändern und muss immer wieder auf etwas Neues zusteuern. 

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