Grete Schurz (geb. 1934)

Fotograf/-in: Unbekannt, o. J., Privatbesitz Grete Schurz

FRAUEN INS RATHAUS

Wenn wir heute anscheinend selbstverständlich über die Anliegen von Frauen in der Öffentlichkeit, über Gleichberechtigung und Geschlechterdiskriminierung im Alltag, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder

sexistische Werbung sprechen, gerät es bisweilen aus dem Blick, dass es sich hierbei um Themen handelt, die bis vor wenigen Jahrzehnten kaum im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert waren. Und auch heute besteht in ihrer Umsetzung noch einiger Handlungsbedarf. Eine besondere Vorbildrolle, wenn es um den engagierten und leidenschaftlichen Einsatz für Frauenthemen in Graz geht, kommt Grete Schurz zu.

Schurz, die im Alter von 40 Jahren ein Studium der Psychologie und Soziologie aufnahm, war Initiatorin und Obfrau des 1980 eingerichteten Frauenhauses, was ihr Bewusstsein für die Probleme, mit denen Frauen im Alltag konfrontiert sind, schärfte. 1986 wurde sie vom damaligen Bürgermeister Alfred Stingl in die Stadtpolitik berufen und trat das Amt der ersten Unabhängigen Frauenbeauftragten an. Die Aufgaben dieser weisungsfreien und parteiunabhängigen Funktion sind vielfältig: die Information und Unterstützung von Grazer Frauen und Mädchen bei der Durchsetzung ihrer Rechte, die Schaffung einer Schnittstelle zwischen Bürgerinnen, Verwaltung und Politik, das Aufmerksam-Machen auf die Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen und das Bemühen um deren Verbesserung sowie der Vorsitz und die Leitung des Grazer Frauenrats.

Während ihrer Amtszeit bis 1994 konnte Grete Schurz zahlreiche Erfolge verzeichnen: So gelang es ihr unter anderem, Familienermäßigungen bei den Grazer Verkehrsbetrieben, hell beleuchtete Tiefgaragenparkplätze, die bevorzugte Vergabe von Gemeindewohnungen an alleinerziehende Mütter oder die Zugänglichmachung vermeintlich „typischer Männerberufe“ wie Polizistin, Straßenbahnlenkerin oder Croupier für Frauen durchzusetzen. 2010 erhielt sie den Ehrenring der Stadt Graz und trägt diesen als einzige lebende Frau in der Stadt.

Frauen soll man nicht einen Fisch schenken, man soll sie lehren, wie man einen Fisch fängt.

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