Christine Frisinghelli
Kulturarbeit als Vermittlungsleistung
Die Arbeit Christine Frisinghellis kann als stellvertretend für das Engagement und die wachsende Präsenz von Frauen im Kunst- und Kulturbereich gesehen werden. Eines ihrer größten Verdienste ist die Etablierung des Mediums Fotografie zu einem Zeitpunkt, als dieses im zeitgenössischen Kunstkontext nur marginal wahrgenommen wurde. So baute Frisinghelli ab 1976 gemeinsam mit Manfred Willmann das Fotografie-Programm der Künstler:innenvereinigung Forum Stadtpark auf. Aus einem Interesse an der Fotografie vor dem Hintergrund ihrer Situiertheit im Kontext theoretischer, historischer und gesellschaftlicher Debatten initiierten sie 1979 ebendort das erste „Symposion über Fotografie“.
Diesem folgten bis 1997 zahlreiche weitere, bei denen sich nationale wie internationale Fotograf:innen jährlich in Graz versammelten und in ihren Gesprächen nicht nur für die deutschsprachige Fotografieszene wichtige Impulse setzten. Die Dringlichkeit dieses Austauschs wurde gestärkt durch die 1980 gegründete und seither vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Camera Austria International, deren Chefredakteurin Christine Frisinghelli bis 2010 war. Die internationale Relevanz und Vernetzung des Projekts Camera Austria wird auch durch den Camera Austria-Preis für zeitgenössische Fotografie der Stadt Graz sichtbar. Dieser wurde 1989 etabliert und wird seither alle zwei Jahre an eine Künstlerin oder einen Künstler vergeben, die bzw. der einen monografischen Beitrag in der Zeitschrift Camera Austria International veröffentlicht hat.
Mit 1996 übernahm Christine Frisinghelli die Intendanz des steirischen herbst, die sie bis 1999 innehatte. Sie war damit die erste Intendantin in Graz und brachte auch in das Festival ihr Anliegen ein, Kunst nicht losgelöst von ihren kulturellen, politischen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu betrachten. Demgemäß unterzog Frisinghelli auch die Institution des Festivals als ein Ereignis, das in zeitlich und geografisch konzentrierter Form inhaltliche Setzungen vollzieht, einer kritischen Reflexion. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Betonung des Festivals als Produktionsort und der Infragestellung hegemonialer, westlich geprägter Kunstbegriffe. Vielmehr trat sie für eine Bewusstmachung jener Strukturen und Bedingungen ein, in denen Kunst produziert und präsentiert wird, sowie für Offenheit gegenüber dem kulturell Anderen.