Helga Konrad (1948 – 2024)
INITIATORIN DER KAMPAGNE „GANZE MÄNNER MACHEN HALBE-HALBE“
Helga Konrad, 1948 in Graz geboren, studierte Romanistik und Anglistik an der Karl-Franzens-Universität Graz und an der Sorbonne in Paris. Nach ihrer Promotion 1975 war sie von 1977 bis 1980 Referentin in der Bildungsabteilung der steirischen Arbeiterkammer. Danach wechselte sie ins Kulturmanagement und war von 1980 bis 1993 Geschäftsführerin der Steirischen Kulturinitiative in Graz. In dieser Zeit begann auch ihr politisches Engagement, wobei Frauenpolitik sehr bald den Schwerpunkt ihrer Arbeit bildete. 1987 wurde sie Grazer Gemeinderätin, 1993 erste Grazer Frauenstadträtin und ab 1995 auch Bundesfrauenvorsitzende.
Im gleichen Jahr wurde sie zur Frauenministerin ernannt und hatte diese Position bis 1997 inne.
Ihre Kampagne „Ganze Männer machen halbehalbe“ sorgte in Österreich für heftige Diskussion und
Aufregung. Ziel der Kampagne war es, eine partnerschaftliche Teilung der Versorgungsarbeit durch
gesetzliche Maßnahmen festzulegen. Dass dies nach einem Regierungswechsel verworfen wurde, bedauerte Helga Konrad sehr, denn ihrer Meinung nach war es die Aufgabe von Politik und Wirtschaft, die Strukturen und Rahmenbedingungen für eine gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zu schaffen.
Nach ihrem Ausscheiden als Ministerin war Helga Konrad Vorsitzende der EU Task Force gegen
Menschenhandel für Südosteuropa, zudem war sie von 2004 bis 2006 OSZE-Sonderbeauftragte im
Kampf gegen Menschenhandel und bis zu ihrem Ableben Projektleiterin am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, wo sie die Regionale Implementierungs-Initiative gegen Menschenhandel leitete. 1999 erhielt Helga Konrad das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich. 2024 wurde sie mit dem Grazer Frauenpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Frauenpolitik ist kein Minderheitenthema, Frauenpolitik ist Demokratiepolitik.
